Die richtige Ernährung für dein Pferd: Gesundheit, Kraft und Lebensfreude durch optimale Futtermittel
Die Liebe zu deinem Pferd geht sprichwörtlich durch den Magen, denn eine artgerechte Fütterung ist das unverzichtbare Fundament für ein langes, gesundes und glückliches Pferdeleben. Bei Reitguru zeigen wir dir, wie du den individuellen Bedarf deines Lieblings präzise erkennst und die perfekte Balance zwischen Energie, wertvollen Vitalstoffen und natürlichem Genuss findest. Vertraue auf fundiertes Expertenwissen, um die Vitalität und das Strahlen deines Partners von innen heraus zu stärken.
Pferdefütterung – Welche Futtermittel gibt es beim Pferd?
Hast du dich schon mal mit dem Thema Pferdefütterung intensiver Beschäftigt? Viele nutzen beim Thema...
Die Philosophie der Fütterung: Du bist, was du isst
Wenn wir über Futtermittel sprechen, geht es um weit mehr als nur das Füllen einer Krippe. Es geht um die Verantwortung, die wir für ein Lebewesen tragen, dessen gesamter Organismus auf eine sehr spezifische Nahrungsaufnahme spezialisiert ist. Das Pferd ist ein Dauerfresser, ein Steppentier, dessen Verdauungstrakt darauf ausgelegt ist, über den Tag verteilt kleine Portionen faserreicher Nahrung aufzunehmen. In der modernen Pferdehaltung ist es unsere Aufgabe, diese natürlichen Bedürfnisse in unseren Alltag zu integrieren.
Eine falsche Fütterung zeigt sich oft erst schleichend. Stumpfes Fell, mangelnde Leistungsbereitschaft, Nervosität oder Verdauungsprobleme wie Kotwasser und Koliken sind oft die Hilferufe eines Körpers, der nicht im Gleichgewicht ist. Auf der anderen Seite steht das Bild eines glänzenden, muskulösen Pferdes, das voller Tatendrang mit dir arbeitet und dessen Augen vor Lebensfreude sprühen. Dieses Ziel erreichen wir gemeinsam, indem wir die Ernährung nicht als lästige Pflicht, sondern als Schlüssel zu eurem gemeinsamen Erfolg begreifen.
Jedes Pferd ist ein Individuum. Das sportliche Warmblut, das im Parcours Höchstleistungen erbringt, benötigt eine völlig andere Zusammensetzung der Futtermittel als das genügsame Shetty auf der Weide oder der Senior, der seinen Ruhestand genießt. Wir laden dich ein, tief in die Welt der Nährstoffe einzutauchen, Etiketten lesen zu lernen und ein Gespür dafür zu entwickeln, was dein Pferd in seiner aktuellen Lebensphase wirklich braucht. Denn eine inspirierte Fütterung ist gelebter Tierschutz.
Raufutter: Das lebensnotwendige Herzstück jeder Ration
Es kann nicht oft genug betont werden: Raufutter ist das wichtigste Futtermittel für jedes Pferd, unabhängig von Rasse oder Alter. Ohne eine ausreichende Versorgung mit Rohfaser gerät der gesamte Stoffwechsel ins Wanken. Das Kauen von Heu oder Stroh ist für das Pferd nicht nur Nahrungsaufnahme, sondern auch Beschäftigung und Zahnpflege. Während des Kauvorgangs produziert das Pferd Speichel, der den Mageninhalt abpuffert und so vor Magengeschwüren schützt.
Heu – Das Gold des Stallalltags
Qualitativ hochwertiges Heu sollte die Basis jeder Fütterung bilden. Es liefert die nötige Struktur für den Darm und ist die Hauptenergiequelle für die Mikroorganismen im Blinddarm. Doch Heu ist nicht gleich Heu. Der Erntezeitpunkt spielt eine entscheidende Rolle für den Gehalt an Zucker, Protein und Rohfaser. Ein früher Schnitt ist oft proteinreich und weich, während ein später Schnitt (nach der Blüte der Gräser) holziger und rohfaserreicher ist – ideal für leichtfuttrige Rassen oder Pferde mit Stoffwechselproblemen.
Achte beim Kauf deines Heus auf den Geruch und die Farbe. Es sollte angenehm würzig nach Kräutern duften und eine grünliche Färbung aufweisen. Graues, staubiges oder muffig riechendes Heu gehört auf keinen Fall in die Raufe, da Schimmelpilzsporen die empfindlichen Atemwege deines Pferdes dauerhaft schädigen können. Die Faustregel besagt: Mindestens 1,5 bis 2 Kilogramm Heu pro 100 Kilogramm Körpergewicht pro Tag. Bei einem 600 kg schweren Pferd sind das also stolze 9 bis 12 Kilogramm reinstes Naturprodukt.
Heulage und Silage: Eine Alternative mit Tücken
Heulage wird oft als Alternative für staubempfindliche Pferde eingesetzt. Da sie feuchter geerntet und luftdicht verpackt wird, bindet sie Staubpartikel. Allerdings ist ihr pH-Wert niedriger als der von Heu, sie ist also saurer. Dies kann bei empfindlichen Pferden die Darmflora stören. Wenn du Heulage fütterst, ist eine extrem hohe hygienische Qualität Pflicht, da sich in den Ballen bei unsachgemäßer Lagerung gefährliche Bakterien wie Botulismus-Erreger vermehren können. Für viele Freizeitpferde ist gut bedampftes Heu oft die sicherere Wahl gegenüber der säurereichen Heulage.
Stroh als Knabberspaß und Ballaststoffquelle
Stroh ist ein unterschätztes Futtermittel. Es bietet dem Pferd eine wunderbare Beschäftigung und liefert wertvolle Lignine für die Darmtätigkeit. Besonders Weizen- oder Haferstroh wird gerne gefressen. Aber Vorsicht: Stroh sollte niemals die einzige Raufutterquelle sein und nur in begrenzten Mengen (maximal 1 kg pro 100 kg Körpergewicht) angeboten werden, um Verstopfungskoliken zu vermeiden. Es dient eher als Ergänzung zum Heu, um die Fresspausen zu überbrücken.
Kraftfutter: Energie für Leistung und Aufbau
Wenn das Raufutter den Grundbedarf deckt, kommt das Kraftfutter ins Spiel, sobald das Pferd zusätzliche Energie benötigt. Das kann durch intensives Training, Wachstum, Trächtigkeit oder im Alter der Fall sein. In der Welt der Futtermittel gibt es hier eine schier endlose Auswahl. Das Wichtigste ist jedoch: Kraftfutter sollte immer erst nach dem Raufutter gegeben werden und in mehreren kleinen Portionen über den Tag verteilt werden, da der Pferdemagen nur ein begrenztes Volumen hat.
Hafer – Der Klassiker unter den Getreiden
Hafer ist seit Jahrhunderten das bewährte Kraftfutter für Pferde. Warum? Weil er von Pferden besonders gut verdaut werden kann. Die Stärke im Hafer ist so aufgebaut, dass sie bereits im Dünndarm aufgeschlossen wird, was die Gefahr von Fehlgärungen im Dickdarm minimiert. Zudem enthält Hafer wertvolle Schleimstoffe und Fette. Dass Hafer „sticht“, liegt meist nur an einer Überdosierung der Energie bei zu wenig Bewegung. Für viele Pferde ist eine Handvoll Hafer nach der Arbeit die ehrlichste und beste Belohnung.
Müsli und Pellets: Die modernen Allrounder
Müslis sind heute in jedem Stall zu finden. Sie sehen appetitlich aus, duften gut und enthalten oft eine Mischung aus thermisch aufgeschlossenem Getreide (wie Mais- oder Gerstenflocken), Kräutern, Ölen und Mineralstoffen. Der große Vorteil von Müsli ist die hohe Akzeptanz und die Möglichkeit, spezielle Bedürfnisse (z.B. getreidefrei, zuckerarm) gezielt abzudecken. Pellets hingegen bieten den Vorteil, dass das Pferd die Komponenten nicht sortieren kann. Sie sind praktisch in der Handhabung und meist sehr nährstoffreich verdichtet.
| Futtermittelart | Vorteile | Geeignet für |
|---|---|---|
| Hafer (ganz/gequetscht) | Beste Stärkeverdaulichkeit, regt Kauen an | Sportpferde, Pferde mit gutem Gebiss |
| Struktur-Müsli | Längere Kaufrequenz, hohe Akzeptanz | Freizeitpferde, wählerische Fresser |
| Getreidefreies Futter | Niedriger Glykämischer Index | Pferde mit EMS, Rehe oder PSSM |
| Maisflocken | Hohe Energiedichte (langsam freisetzend) | Schwerfuttrige Pferde, Distanzsport |
Getreidefreie Fütterung: Ein Trend mit medizinischem Hintergrund
Immer mehr Pferde leiden unter sogenannten Zivilisationskrankheiten wie dem Equinen Metabolischen Syndrom (EMS), Cushing (PPID) oder Hufrehe. Für diese Pferde ist herkömmliches Getreide mit seinem hohen Stärkegehalt wie Gift. Hier kommen getreidefreie Futtermittel zum Einsatz, die auf Basis von Luzerne, Reiskleie oder Esparsette Energie liefern, ohne den Insulinspiegel in die Höhe zu treiben. Diese Fütterung ist ein wunderbarer Weg, auch vorbelasteten Pferden ein genussvolles Leben zu ermöglichen.
Mineralfutter: Die unsichtbaren Helden der Vitalität
Selbst das beste Heu kann heute oft nicht mehr alle Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine liefern, die ein Pferd benötigt. Unsere Böden sind oft ausgelaugt, und die Artenvielfalt auf den Wiesen ist gesunken. Hier setzt das Mineralfutter an. Es ist der „Zündstoff“ für alle chemischen Prozesse im Körper. Ohne Zink kein gesundes Hufhorn, ohne Selen keine starke Muskulatur und ohne Kupfer kein stabiles Bindegewebe.
Ein hochwertiges Mineralfutter sollte täglich gegeben werden, auch wenn das Pferd kein Kraftfutter erhält. Achte auf eine organische Bindung der Spurenelemente (Chelate), da diese vom Körper besser aufgenommen werden können als anorganische Verbindungen. Ein Mangel an Mineralstoffen zeigt sich oft erst nach Monaten, wenn die Speicher im Skelett geleert sind. Vorbeugung ist hier der Schlüssel zu dauerhafter Gesundheit. Du wirst merken, wie sich das Hautbild verbessert und die Hufe belastbarer werden, wenn die Mineralstoffversorgung stimmt.
Spezialfutter für besondere Lebenslagen
Es gibt Momente im Leben eines Pferdes, in denen die Standardration nicht mehr ausreicht. Ob nach einer Krankheit, im hohen Alter oder bei akuten Problemen – Spezialfuttermittel können wahre Wunder bewirken und den Heilungsprozess massiv unterstützen.
Mash – Die wohltuende Warmspeise
Mash ist ein klassisches Diätfutter, das traditionell aus Weizenkleie, Leinsamen und Hafer besteht und mit warmem Wasser angerührt wird. Es ist leicht verdaulich, regt den Appetit an und fördert durch die enthaltenen Schleimstoffe die Darmpassage. Besonders nach einer Kolik, bei Verstopfungsneigung oder einfach als warme Mahlzeit an kalten Wintertagen ist Mash eine Wohltat für die Seele deines Pferdes. Moderne Mash-Sorten kommen oft ohne Getreide aus und sind somit für fast jedes Pferd geeignet.
Heucobs und Luzernecobs: Hilfe bei Zahnproblemen
Wenn die Zähne im Alter nachlassen und das Pferd das Heu nur noch zu „Wickeln“ kaut und wieder ausspuckt, droht eine gefährliche Abmagerung. Hier sind Heucobs die Rettung. Sie bestehen aus gemahlenem und gepresstem Heu, das eingeweicht als Brei verfüttert wird. So erhält das Pferd trotz Gebissproblemen die nötige Rohfaser. Luzernecobs liefern zusätzlich hochwertiges Protein, was besonders wichtig ist, um dem Muskelabbau im Alter entgegenzuwirken. Es ist ein emotionaler Moment, wenn man sieht, wie ein alter Senior durch diesen „Seniorenbrei“ wieder zu Kräften kommt und am Leben teilnimmt.
Unterstützung für Sehnen, Gelenke und Atemwege
Zusatzfuttermittel können gezielt dort helfen, wo der Körper Unterstützung braucht. Produkte mit Glucosamin, Chondroitin oder Teufelskralle können die Gelenkfunktion unterstützen und die Beweglichkeit fördern – ein Segen für Pferde mit Arthrose. Kräutermischungen mit Thymian, Spitzwegerich und Eukalyptus helfen dabei, die Atemwege bei Husten zu befreien und das Immunsystem zu stärken. Diese natürlichen Helfer sind eine wunderbare Ergänzung, um die Lebensqualität deines Pferdes spürbar zu steigern.
Öle und Fette: Geballte Energie ohne Hektik
Öle sind eine hervorragende Möglichkeit, die Energiedichte der Ration zu erhöhen, ohne dem Pferd große Mengen Getreide füttern zu müssen. Ein Esslöffel hochwertiges Leinöl liefert nicht nur Energie, sondern auch wichtige Omega-3-Fettsäuren, die entzündungshemmend wirken und für einen unvergleichlichen Glanz im Fell sorgen. Da Pferde keine Gallenblase haben, müssen sie an die Fettfütterung langsam gewöhnt werden, damit der Körper die Enzyme zur Fettverdauung bilden kann. Nach einer Gewöhnungsphase können bis zu 100 ml Öl pro Tag (bei einem Großpferd) problemlos verdaut werden und dienen als „kühle Energie“, die das Pferd nicht nervös macht.
Natürliche Belohnungen: Obst, Gemüse und Kräuter
Wer freut sich nicht über ein saftiges Extra? Karotten, Äpfel und Rote Beete sind die Klassiker unter den Saftfuttermitteln. Sie liefern Vitamine und bringen Abwechslung in den Speiseplan. Karotten sind zudem reich an Beta-Carotin, einer Vorstufe des Vitamin A. Doch auch hier gilt: Alles in Maßen. Zu viele Äpfel können durch ihren hohen Zucker- und Säuregehalt Gärungen im Darm auslösen. Ein bis zwei Kilo Saftfutter pro Tag sind für ein gesundes Großpferd eine willkommene Bereicherung.
Kräuter sind die Apotheke der Natur. In freier Wildbahn würden Pferde gezielt bestimmte Kräuter fressen, um ihren Stoffwechsel zu regulieren. Wir können dies imitieren, indem wir kurweise Mischungen aus Brennnessel (stoffwechselanregend), Mariendistel (leberunterstützend) oder Kamille (beruhigend für den Magen) füttern. Die Natur bietet für fast jedes kleine Zipperlein das passende Kraut – wir müssen nur lernen, es richtig einzusetzen.
Die Bedeutung der Wasserversorgung
Wasser ist das wichtigste aller Futtermittel. Ein Pferd trinkt je nach Belastung und Temperatur zwischen 30 und 60 Liter am Tag. Ohne Wasser steht der gesamte Stoffwechsel innerhalb kürzester Zeit still. Achte darauf, dass die Tränken immer sauber sind und das Wasser Trinkwasserqualität hat. Im Winter ist darauf zu achten, dass das Wasser nicht gefriert – viele Pferde trinken bei eisigen Temperaturen zu wenig, was das Risiko für Verstopfungskoliken drastisch erhöht. Ein warmer Schluck Wasser mit einem Schuss Apfelsaft kann Wunder wirken, um trinkfaule Pferde zu animieren.
- Überprüfe täglich die Sauberkeit der Tränken.
- Achte auf die Durchflussgeschwindigkeit (mindestens 8 Liter pro Minute bei Selbsttränken).
- Biete bei extremer Kälte oder Hitze zusätzlich Wasser aus Eimern an.
- Ein Salzleckstein sollte immer zur Verfügung stehen, um den Elektrolythaushalt zu regulieren.
Fütterungsmanagement: Der Weg zum Erfolg
Die Qualität der Futtermittel ist die eine Seite, die Art und Weise der Fütterung die andere. Ein gutes Management ist entscheidend, um Krankheiten vorzubeugen. Feste Fütterungszeiten geben dem Pferd Sicherheit und reduzieren Stress. Vermeide abrupte Futterumstellungen, da die Mikroorganismen im Darm Zeit brauchen, um sich an neue Inhaltsstoffe anzupassen. Eine Umstellung sollte über mindestens 7 bis 14 Tage erfolgen, indem man das neue Futter schrittweise unter das alte mischt.
Regelmäßige Gewichtskontrollen, sei es durch ein Maßband oder eine Pferdewage, helfen dir, die Ration objektiv zu bewerten. Wir neigen oft dazu, unsere Pferde „gut zu füttern“, was schnell in Übergewicht umschlägt. Fettpolster am Kamm oder an der Kruppe sind Warnsignale, die du ernst nehmen solltest. Ein schlankes, gut bemuskeltes Pferd ist weitaus weniger anfällig für Gelenkschäden und Stoffwechselerkrankungen. Sei ehrlich zu dir selbst und passe die Ration an das tatsächliche Arbeitspensum an.
Wie viel Heu braucht mein Pferd wirklich?
Die Faustregel für die Raufutteraufnahme liegt bei mindestens 1,5 bis 2 Kilogramm Heu pro 100 Kilogramm Körpergewicht deines Pferdes. Das bedeutet, ein durchschnittliches Warmblut mit 600 Kilogramm benötigt täglich mindestens 9 bis 12 Kilogramm Heu. Diese Menge ist essenziell, um die Verdauung in Schwung zu halten, Magengeschwüre durch ausreichende Speichelbildung beim Kauen zu verhindern und das Kaubedürfnis zu befriedigen. Bei leichtfuttrigen Pferden kann ein Teil des Heus durch hochwertiges Futterstroh ersetzt werden, um die Fresszeiten zu verlängern, ohne die Kalorienzufuhr zu drastisch zu erhöhen.
Wann ist der beste Zeitpunkt für die Kraftfuttergabe?
Kraftfutter sollte idealerweise immer erst nach der Aufnahme von Raufutter gegeben werden. Wenn das Pferd bereits Heu gefressen hat, ist der Magen vorverdaut und die Passage des Kraftfutters durch den Magen-Darm-Trakt erfolgt langsamer und gleichmäßiger. Zudem sollte zwischen der letzten großen Kraftfuttermahlzeit und dem Training mindestens eine Stunde Pause liegen, damit der Körper die Energie für die Verdauung nutzen kann und nicht durch körperliche Anstrengung belastet wird. Bei großen Mengen Kraftfutter ist es zudem sinnvoll, diese auf drei bis vier kleine Portionen über den Tag zu verteilen.
Kann ich meinem Pferd einfach so Kräuter füttern?
Kräuter sind hochwirksame Naturheilmittel und sollten daher immer gezielt und meist kurweise (ca. 4 bis 6 Wochen) eingesetzt werden. Eine dauerhafte Fütterung derselben Kräuter kann zu einem Gewöhnungseffekt führen oder den Stoffwechsel einseitig belasten. Überlege dir genau, welches Ziel du verfolgst: Möchtest du die Atemwege unterstützen, den Stoffwechsel anregen oder die Nerven beruhigen? Achte auf hochwertige, staubfreie Kräutermischungen in Arzneibuchqualität, um die bestmögliche Wirkung zu erzielen. Bei tragenden Stuten oder Pferden, die im Turniersport eingesetzt werden (Karenzzeiten!), solltest du vor der Kräuterfütterung Rücksprache mit einem Experten oder Tierarzt halten.
Woran erkenne ich minderwertiges Heu?
Gutes Heu erkennst du an einem frischen, aromatischen Duft, einer grünlichen Farbe und einer staubfreien Struktur. Minderwertiges Heu hingegen riecht muffig, modrig oder brandig. Eine graue oder gelbliche Farbe sowie sichtbare Staubwolken beim Aufschütteln sind deutliche Warnsignale für Schimmelpilze und Bakterien. Auch Fremdkörper wie Giftpflanzen (z.B. Jakobskreuzkraut), Plastikreste oder Kadaver von Kleintieren machen das Heu unbrauchbar. Da die Lunge deines Pferdes sehr empfindlich ist, solltest du bei der Heuqualität niemals Kompromisse eingehen – im Zweifel ist das Heu als Einstreu oder Entsorgungsware besser aufgehoben als in der Raufe.
Braucht jedes Pferd ein Mineralfutter?
In den allermeisten Fällen lautet die Antwort: Ja. Unsere modernen Weiden und Heuflächen bieten oft nicht mehr die Artenvielfalt und Mineralstoffdichte, die Pferde in der Natur vorfinden würden. Ein Mangel an Spurenelementen wie Zink, Kupfer oder Selen kann zu Hautproblemen, Hufschäden und Immunschwäche führen. Da herkömmliches Kraftfutter oft nicht in ausreichender Menge gefüttert wird, um den Mineralstoffbedarf komplett zu decken, ist ein separates, hochwertiges Mineralfutter die sicherste Lösung, um Versorgungslücken zu schließen. Ein Blutbild kann im Zweifel Aufschluss über den aktuellen Status geben, wobei man bedenken muss, dass manche Werte im Blut erst sinken, wenn die körpereigenen Speicher bereits leer sind.
Warum ist Zucker im Pferdefutter oft ein Problem?
Pferde sind von Natur aus darauf ausgelegt, faserarme und zuckerarme Gräser zu fressen. Moderne Weidegräser und viele Müslis enthalten jedoch hohe Mengen an leicht verdaulichen Kohlenhydraten (Zucker und Stärke). Diese führen zu einem schnellen Anstieg des Blutzuckerspiegels und einer hohen Insulinausschüttung. Auf Dauer kann dies zu Insulinresistenz und Stoffwechselerkrankungen wie EMS oder Hufrehe führen. Besonders für leichtfuttrige Rassen, Ponys und Pferde mit wenig Bewegung ist eine zucker- und stärkearme Ernährung lebenswichtig. Achte beim Kauf auf die Angaben zu Zucker und Stärke auf dem Sackanhänger – Werte unter 10 % sind für empfindliche Pferde ideal.
Was füttere ich einem Pferd, das zunehmen muss?
Wenn ein Pferd zu dünn ist, sollte zuerst die Ursache (Zähne, Würmer, Stress, Krankheit) geklärt werden. In der Fütterung ist hochwertiges Raufutter ad libitum (zur freien Verfügung) der erste Schritt. Ergänzend können hydrothermisch aufgeschlossene Getreideflocken (Mais, Gerste) oder ölhaltige Futtermittel wie Reiskleie und Leinöl eingesetzt werden, da diese eine hohe Energiedichte haben. Auch Luzerne ist ein hervorragender Eiweißlieferant für den Muskelaufbau. Heucobs, eingeweicht verfüttert, helfen besonders älteren Pferden, zusätzliche Kalorien ohne mühsames Kauen aufzunehmen. Geduld ist hier wichtig: Ein gesunder Gewichtsaufbau braucht Zeit und sollte nicht durch Überfütterung erzwungen werden.
Darf mein Pferd Brot fressen?
Altes, hartes Brot wird oft als Leckerli verwendet, sollte aber eine seltene Ausnahme bleiben. Brot enthält viel Stärke, oft Backtriebmittel, Salz und manchmal sogar Konservierungsstoffe, die nicht in den Pferdemagen gehören. Zudem besteht bei größeren Mengen die Gefahr von Schlundverstopfungen oder Fehlgärungen im Darm. Wenn du Brot fütterst, muss es absolut trocken und steinhart sein (kein Schimmel!). Eine Karotte oder ein Stück Apfel sind jedoch immer die gesündere und natürlichere Wahl für eine Belohnung zwischendurch.
Wie erkenne ich eine Eiweißüberversorgung?
Entgegen landläufiger Meinung ist eine Eiweißüberversorgung durch Heu seltener das Problem als eine Energieüberversorgung. Dennoch kann ein massiver Überschuss an Protein die Leber und Nieren belasten, da das überschüssige Eiweiß abgebaut und als Harnstoff ausgeschieden werden muss. Anzeichen können angelaufene Beine, Hautprobleme („Eiweißpusteln“) oder ein strenger Ammoniakgeruch im Stall sein. Oft tritt dies im Frühjahr auf, wenn die Pferde auf sehr junges, fettes Gras kommen. Ein langsames Anweiden und die Ergänzung mit strohreichem Heu helfen, den Proteingehalt der Gesamtration zu puffern.
Was ist der Vorteil von getreidefreiem Futter?
Getreidefreies Futter basiert meist auf Rohfaserquellen wie Luzerne, Gräsern, Esparsette oder Pektinen aus Rübenschnitzeln. Der große Vorteil ist, dass es den Stoffwechsel kaum belastet, da es sehr wenig Stärke und Zucker enthält. Es ist ideal für Pferde, die zu Übergewicht neigen, stoffwechselkrank sind oder magenempfindlich reagieren. Zudem verlängert die faserreiche Struktur die Kaufrequenz, was die Speichelbildung fördert und so den Magen schützt. Getreidefreies Futter ist somit keine reine „Diät“, sondern eine naturnahe Art der Energiezufuhr für das moderne Pferd.
